Steueroasenausstellung illustriert das Offshore-System

7.8.2013 – 23.8.2013, Mo.-Fr. 10-20 Uhr,
Rathaus Kreuzberg, Yorckstr. 4-11, 2. Etage


Steuersumpf Kleinwalsertal
(c) Celia Di Pauli & Silke Ötsch

Seit „Offshore-Leaks“ und dem Fall Hoeneß sind Steueroasen in aller Munde. Neu sind die Probleme aber keineswegs. Vergangenes Jahr schätzte eine Studie des Tax Justice Network das Vermögen in Offshore-Plätzen weltweit auf stattliche 21-32 Billionen US-Dollar – vieles davon vermutlich unversteuert. Für Deutschland gehen Schätzungen von 400 Milliarden Schwarzgeld im Ausland aus.

Attac und verbündete Organisationen haben schon seit vielen Jahren die Bekämpfung von Steueroasen und Schattenfinanzplätzen im Fokus. Ihr Ziel ist allseitige öffentliche Aufklärung: mit steuerpolitischen Positionspapieren, einer Anhörung zum Deutsch-Schweizer Steuerabkommen und der Fotoausstellung „Räume der Offshore- Welt“ von Silke Ötsch und Celia Di Pauli.

Die Ausstellung erklärt nicht nur die komplexen Konstruktionen, die in Offshore-Leaks und den Debatten über die Steuerflucht von Apple, Ikea und Co. eine Rolle spielen. Sie will auch die Realität von Steueroasen in Bildern erfassen. Denn mit dem Stichwort "Steueroase" oder "Offshore Zentrum" verbinden sich oftmals Bilder von abgeschiedenen Inseln, sonnigen Stränden und einem sauberen Geschäft. Gerade diese Assoziationen vermittelt die Finanzindustrie wie zum Beispiel die Deutsche Bank auf ihrer Offshore-Webseite. Die Ausstellung zeigt, wie Räume der Offshore-Welt wirklich aussehen: Fotos von den schäbigen Briefkästen der Briefkastenfirmen, den Profiteuren, der öffentlichen Armut, einer Welt der Statussymbole und von grauen Beratermäusen.

Mit eindrucksvollen Fotos aus Irland, Jersey, Liechtenstein, Österreich, Luxemburg, London, Deutschland und der Schweiz wird die Welt der Steueroasen beschrieben. Hauptaugenmerk der Ausstellung sind die "Zentren" der österreichischen Bankenwelt im Walsertal, Niedrigsteuerkantone der Schweiz und Luxemburg. Zu sehen sind neben Briefkastenfirmen im wörtlichen Sinne u.a. das Büro von Boris Becker, die Suche nach einem Stararchitekten auf einem Golfplatz, ein Dorf mit 300 Einwohnern und 4 Mrd. Euro Kundengeldern.

Aber die Ausstellung soll nicht nur informieren. Sie versteht sich als Aufforderung an die Politik, gesetzlich gegen die Schattenfinanzplätze vorzugehen und die Steueroasen auszutrocknen. Die wichtigsten Maßnahmen wären eine Stärkung der Steuerfahndung, ein umfassender automatischer Informationsaustausch zu Kapitaleinkommen, öffentliche Register für Unternehmen, Trusts und Stiftungen, länderbezogene Berichtspflichten für Konzerne, sowie gemeinsame Mindeststeuersätze und Steuerbemessungsgrundlagen innerhalb der EU.

Eröffnungsveranstaltung mit Thomas Rixen

Mittwoch, 7.8. 2013, 19.00 Uhr
Rathaus Kreuzberg, Yorckstr. 4-11, 2. Etage

Zur Eröffnung wird Professor Thomas Rixen einen Einblick in das Phänomen des internationalen Steuerwettbewerbs geben. Vor dem Hintergrund der aktuellen Offshore-Leaks-Debatte und den damit verbundenen Vorschlägen von Seiten der Politik wird er auf folgende Fragen eingehen:

  • Was sind die Gründe dafür, dass insbesondere große Konzerne und Vermögende oftmals nahezu keine Steuern zahlen?
  • Welche internationalen Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Phänomens hat es in der Vergangenheit gegeben und wie erfolgreich waren sie?
  • Wie sind vor diesem Hintergrund aktuelle Reformvorschläge zu bewerten und welche Alternativen gibt es dazu?

Zur Person: Thomas Rixen ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bamberg. Sein Forschungsfeld ist die Internationale und Vergleichende Politische Ökonomie. Er ist Autor von "The Political Economy of International Tax Governance" (2008) und zahlreicher Fachartikel zu den Themen internationale Steuerpolitik, internationale Regulierung sowie Wandel internationaler Institutionen. Zu diesen Themen hat er auch Berichte im Auftrag der Friedrich- Ebert-Stiftung und der Heinrich-Böll-Stiftung verfasst.

Weitere Informationen: